Der Kupon einer Anleihe ist nicht ihre Rendite. Er wird auf den Nennwert gezahlt, während Anleger am Markt einen höheren oder niedrigeren Kaufpreis zahlen können. Die Rendite bis Fälligkeit verbindet Kaufbetrag, Kupons, Rückzahlung und Zeit in einer Kennzahl.
Sie ist nur unter klaren Annahmen erreichbar: kein Ausfall, Zahlungen wie vorgesehen, Halten bis Fälligkeit und eine bestimmte Wiederanlage der Zwischenzahlungen.
Der Kupon bezieht sich auf den Nennwert
Eine Anleihe mit 1.000 Euro Nennwert und 3 Prozent Kupon zahlt jährlich 30 Euro, sofern die Bedingungen eine jährliche Zahlung vorsehen. Ob Sie 950 oder 1.050 Euro für den Titel zahlen, ändert den Kuponbetrag nicht.
Die laufende Rendite teilt 30 Euro durch den aktuellen Kaufpreis. Bei 950 Euro sind das etwa 3,16 Prozent. Sie berücksichtigt den späteren Kursgewinn bis 1.000 Euro noch nicht.
Bei Kauf über pari entsteht umgekehrt ein Rückzahlungsverlust, der die Gesamtrendite mindert.
Clean Price und Dirty Price unterscheiden Kurs und Abrechnung
Anleihekurse werden häufig als Prozent des Nennwerts ohne aufgelaufene Stückzinsen angezeigt. Dieser Clean Price ist nicht der gesamte Zahlbetrag. Seit dem letzten Zinstermin aufgelaufene Zinsen kommen hinzu.
Der Dirty Price beziehungsweise Settlement-Betrag enthält Kurswert und Stückzins. Beim nächsten Kupon erhält der Käufer die volle Zahlung, obwohl er nur einen Teil der Zinsperiode gehalten hat. Der gezahlte Stückzins gleicht den Verkäufer wirtschaftlich aus.
Stückzins ist daher kein zusätzlicher Gewinn. Er gehört in die Zahlungsstromrechnung.
Kauf unter pari erzeugt einen zusätzlichen Rückzahlungseffekt
Die 1.000-Euro-Anleihe kostet 950 Euro und läuft noch zwei Jahre. Neben zwei Kupons zu 30 Euro erhält der Anleger bei vertragsgemäßer Rückzahlung 1.000 Euro. Die 50 Euro Differenz sind ein Kursgewinn über zwei Jahre.
Man darf 60 Euro Kupons plus 50 Euro Gewinn nicht einfach durch 950 Euro teilen und halbieren, wenn eine genaue Jahresrendite gesucht wird. Zahlungen fallen zu unterschiedlichen Terminen an.
Die Yield to Maturity ist der interne Zinsfuß, der den heutigen Preis mit allen künftigen Zahlungen verbindet.
Die YTM löst eine Zahlungsstromgleichung
Jeder Kupon und die Rückzahlung werden mit demselben gesuchten Jahreszins auf heute abgezinst. Die Summe der Barwerte entspricht dem gezahlten Marktpreis. Computer und Finanzrechner lösen diese Gleichung iterativ.
Bei unterschiedlichen Zinsperioden, Tagzählung und Abrechnungskonventionen können Ergebnisse leicht abweichen. Vergleichen Sie Renditen nur mit derselben Konvention.
Eine hohe YTM kann aus niedrigem Kurs und hohem Kreditrisiko stammen. Die Mathematik verspricht nicht, dass der Emittent tatsächlich zahlt.
Wiederanlage ist eine verdeckte Annahme
Die ausgewiesene Rendite bis Fälligkeit unterstellt typischerweise, dass Zwischenkupons zu einer passenden Rendite wieder angelegt werden können. Sinken Marktzinsen, gelingt das möglicherweise nur zu niedrigeren Sätzen.
Bei kurzer Laufzeit und kleinem Kupon ist der Effekt begrenzt. Bei langer Laufzeit und hohem Kupon kann er erheblich sein.
Wer Kupons verbraucht statt wieder anlegt, erzielt einen anderen Endwert, obwohl alle Zahlungen vertragsgemäß eingehen.
Kosten und Steuern verändern die persönliche Rendite
Brokerentgelt, Börsenspread und Depotkosten erhöhen den Einsatz oder mindern den Erlös. Berechnen Sie eine Nettorendite mit den tatsächlich erwarteten Kosten.
Kupon, Stückzins, Kursgewinn und ausländische Quellensteuer können steuerlich unterschiedlich behandelt werden. Die Depotabrechnung und persönliche Situation sind maßgeblich.
Eine Vorsteuerrendite aus dem Börsensystem ist daher keine garantierte Kontorendite.
Ausfallrisiko ist nicht in der Formel gelöst
Die Standard-YTM verwendet die vertraglichen Zahlungen. Erwartete Verluste aus Ausfall oder Restrukturierung werden nicht automatisch als eigene Wahrscheinlichkeit abgezogen. Der niedrige Marktpreis kann das Risiko nur indirekt spiegeln.
Prüfen Sie Bonität, Rang, Sicherheiten und Fälligkeiten des Emittenten. Eine Rendite von 12 Prozent bei kurzer Laufzeit kann ein Warnsignal sein.
Im Ausfall können Kupons und Rückzahlung teilweise oder vollständig fehlen. Dann ist die zuvor ausgewiesene YTM nicht erreicht.
Ein Kündigungsrecht verkürzt möglicherweise den Zahlungsplan
Darf der Emittent die Anleihe vorzeitig zu 100 Prozent zurückzahlen, ist die Endfälligkeitsrendite nicht das einzige Szenario. Yield to Call und Yield to Worst berücksichtigen frühere Termine.
Eine Anleihe über pari kann bei früher Kündigung einen schnelleren Kursverlust erleiden. Bei sinkenden Zinsen steigt oft der Anreiz des Emittenten zur Refinanzierung.
Lesen Sie Kündigungsplan und Preis in den endgültigen Bedingungen.
Vorzeitiger Verkauf ersetzt die YTM durch einen Marktpreis
Wer vor Fälligkeit verkauft, erhält den dann verfügbaren Geldkurs plus Stückzins abzüglich Kosten. Steigende Marktzinsen, breitere Kreditspreads oder geringe Liquidität können den Kurs drücken.
Die bis dahin realisierte Rendite ergibt sich aus tatsächlichem Kaufpreis, erhaltenen Kupons und Verkaufserlös. Sie kann deutlich von der ursprünglichen YTM abweichen.
Ein fester Liquiditätsbedarf vor Fälligkeit passt daher nicht zu einer Planung, die die Rückzahlung zu 100 Prozent voraussetzt.
Renditekennzahlen werden mit derselben Laufzeit verglichen
Vergleichen Sie zwei Anleihen nicht nur über YTM. Restlaufzeit, Duration, Bonität, Währung, Rang, Liquidität und Kündigungsrechte müssen ähnlich sein.
Eine längere Laufzeit liefert häufig höhere Rendite als Entschädigung für mehr Zins- und Kreditunsicherheit. Der Aufschlag ist kein kostenloser Mehrertrag.
Bei Staats- und Unternehmensanleihen dienen passende Referenzkurven als Kontext.
Eine Zahlungsstromtabelle verhindert Begriffsfehler
Notieren Sie Kaufdatum, Dirty Price, jeden Kupon, möglichen Call, Endfälligkeit, Rückzahlungsbetrag und Kosten. Markieren Sie vertraglich und angenommen.
Rechnen Sie anschließend Szenarien für Halten, vorzeitigen Verkauf und Ausfall. Die YTM ist nur das vertragsgemäße Haltenszenario.
Eine Zahlungsstromtabelle liefert die belastbare Kontrolle
Tragen Sie Kaufdatum, Valuta, Kaufpreis, Stückzinsen, Gebühren, jeden Kupontermin und den Rückzahlungsbetrag in eine Tabelle ein. Negative Werte stehen für Auszahlungen, positive für Zuflüsse. Die Rendite bis Fälligkeit ist der Zinssatz, bei dem der abgezinste Wert dieser Zahlungsreihe dem eingesetzten Betrag entspricht.
Die Tabelle verhindert einen verbreiteten Fehler: Stückzinsen werden beim Kauf zwar bezahlt, sind aber kein zusätzlicher Kursverlust. Beim nächsten Kupon erhalten Sie die volle Zahlung für die Periode. Für die Rendite zählt der genaue zeitliche Abstand zwischen beiden Buchungen.
Renditeangaben brauchen denselben Kurszeitpunkt
Ein Kurs von gestern und eine heutige Renditekennzahl gehören nicht in dieselbe Vergleichszeile. Erfassen Sie Geldkurs, Briefkurs und berechnete Rendite am selben Stichtag. Für einen realistischen Kauf verwenden Sie den erreichbaren Briefkurs zuzüglich Kosten, nicht einen theoretischen Mittelkurs.
Bei dünnem Handel kann bereits eine kleine Order den Preis verändern. Dann ist eine angezeigte Rendite nur für ein begrenztes Volumen erreichbar. Die praktische Abwicklung bei einem späteren Ausstieg erläutert Anleihe vor Fälligkeit verkaufen.
Call, Ausfall und Wiederanlage werden als eigene Szenarien gerechnet
Hat der Emittent ein Kündigungsrecht, berechnen Sie zusätzlich die Rendite bis zum frühesten Call und zu weiteren Kündigungsterminen. Der Beitrag Callable Bonds zeigt, warum die Endfälligkeit dann nicht das einzige relevante Datum ist. Eine erwartete Kündigung darf erst als sicher gelten, wenn sie wirksam erklärt wurde.
Die Standard-YTM unterstellt vertragsgemäße Zahlung. Für das Kreditrisiko ergänzen Sie deshalb einen Stressfall mit verspätetem Kupon, gekürzter Rückzahlung oder vollständigem Ausfall. Bei einem Floater ist außerdem die künftige Kuponreihe unbekannt; die Reset-Termine eines Floaters werden über mehrere Zinsszenarien abgebildet.
Auch die Wiederanlage erhaltener Kupons beeinflusst den tatsächlich erzielten Endwert. Die veröffentlichte YTM garantiert nicht, dass Sie Zwischenzahlungen zum gleichen Satz wieder anlegen können.
Ein Beispiel trennt Kupon und Gesamtrendite
Eine Anleihe mit 10.000 Euro Nennwert kostet clean 98 Prozent. Der reine Kurs beträgt damit 9.800 Euro. Hinzu kommen beispielsweise 120 Euro Stückzinsen und 20 Euro Gebühren. Die spätere Rückzahlung zu 100 Prozent erzeugt 200 Euro Kursgewinn vor Kosten und Steuer; laufende Kupons kommen separat hinzu.
Eine zweite Anleihe kostet 101 Prozent und hat einen höheren Kupon. Sie kann dennoch die niedrigere Rendite bis Fälligkeit besitzen, weil bei Rückzahlung 100 Euro je 10.000 Euro Nennwert unter dem Kaufkurs verloren gehen. Entscheidend ist die vollständige Zahlungsreihe, nicht die größte einzelne Zahl im Produktblatt.
Die Kennzahl erhält ein Ablaufdatum
Speichern Sie YTM, Kurs, Stückzinsen, Kostenannahme, Laufzeit, Call-Daten und Rating mit Datum. Nach Kursbewegung, Ratingänderung, Kuponzahlung oder verkürzter Restlaufzeit wird neu gerechnet. Eine alte Rendite ist kein heutiges Kaufangebot.
Für einen Depotvergleich wird dieselbe Rechnung mit den tatsächlichen Gebühren beider Anbieter wiederholt. Mindestentgelt, Börsenplatzkosten und Fremdspesen wirken bei kleinen Nennwerten stärker. Eine um wenige Basispunkte höhere Portalkennzahl kann dadurch vollständig verschwinden. Maßgeblich bleibt der aus Ihrer konkreten Order entstehende Zahlungsstrom.
- PRIIPs-Verordnung, Europäische Union; geprüft am 29. Juli 2026.
- Grundlagen zu Anleihen, BaFin; geprüft am 29. Juli 2026.
Die Rendite bis Fälligkeit ist nützlich, wenn Zahlungsplan und Annahmen sichtbar bleiben. Für eine Anlageentscheidung stehen daneben Bonität, Rang, Handelbarkeit und der mögliche Liquiditätsbedarf vor dem Endtermin.